Agenten werden häufig als Abkürzung verkauft. Das Unternehmen müsse nur das richtige Modell auswählen, einige Daten anbinden und schon entstehe eine neue digitale Belegschaft. In der Praxis beschleunigt ein Agent jedoch auch all das, was vorher schon unklar, widersprüchlich oder schlecht geregelt war.

Prozessprobleme werden nicht zu Modellproblemen

Ist nicht klar, wer eine Entscheidung treffen darf, kann auch ein Agent diese Verantwortung nicht sauber übernehmen. Sind Daten veraltet oder über Systeme verteilt, produziert er schneller widersprüchliche Ergebnisse. Fehlen Eskalationswege, wird Unsicherheit zur improvisierten Antwort.

Readiness hat mehrere Ebenen

  • Organisation: Ziel, Verantwortliche, Governance und Veränderungsbereitschaft.
  • Prozess: Auslöser, Varianten, Ausnahmen, Übergaben und Ergebnis.
  • Daten: Qualität, Herkunft, Aktualität, Zugriffsrechte und Sensibilität.
  • IT: Identitäten, APIs, Systeme, Logging, Support und Betrieb.
  • Use Case: Nutzen, Risiko, Human-in-the-loop und messbare Baseline.
Readiness ist kein Vorwand, um monatelang PowerPoint zu produzieren. Sie ist die kürzeste Strecke zu einem Pilot, der nicht an vermeidbaren Grundlagen scheitert.

Reifwerk entscheidet auch gegen Agenten

Ein gutes Assessment darf ergeben, dass klassische Automatisierung, eine bessere Suche, ein Formular oder eine Prozessentscheidung sinnvoller ist. Agentic Readiness ist kein Vertriebsritual, bei dem jeder Weg zwangsläufig zu einem Agentenprojekt führt.

Der Pilot beginnt mit einer Baseline

Vor dem Bau wird festgelegt, wie der Prozess heute arbeitet: Durchlaufzeit, Bearbeitungsaufwand, Fehler, Eskalationen, Kosten und Qualität. Nur dadurch lässt sich später unterscheiden, ob der Agent Wirkung erzeugt oder bloß neue Aktivität.

Praktische Regel: Wenn ein Use Case weder einen verantwortlichen Process Owner noch eine messbare Verbesserung besitzt, ist er noch kein Pilotkandidat.